Rückblick auf die internationale Romwallfahrt der Ministranten 2018

Leitartikel KiMis (zur Romwallfahrt)

„Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg…“ Kaum ein anderes Friedenszitat ist wohl so oft zu lesen wie dieses von dem holländischen Philosophen Baruch de Espinoza aus dem 17. Jahrhundert. Und es ist völlig zurecht ein Dauerbrenner. Auch für die 60 000 Ministrantinnen und Ministranten, die sich Ende Juli für eine Woche zu einer internationalen Wallfahrt in Rom zusammengefunden haben. Sie haben sich unglaublich tief mit der Bedeutung von Frieden auseinandergesetzt. Dass letztlich schon jede Eucharistiefeier, in der die Minis Sonntag für Sonntag – zumindest im IdealfallJ – ihren Dienst tun, von der Bitte um Frieden durchzogen ist („Der Friede sei mit dir“, „Geht hin in Frieden“ etc.), erschloss sich vielen durch die Ansprachen von Bischof Fürst und dem Papst. Doch auch die Erkenntnis, dass Frieden nicht irgendwo im luftleeren Raum zu finden ist, sondern letztlich nur im Vollzug, in der Umsetzung im eigenen Leben existiert – oder eben nicht existiert – bringt ein Ministrant eindrucksvoll zur Sprache. Er sagte beiläufig und unvermittelt bei einem Espresso: „Frieden muss man doch im eigenen Herzen finden. Den kann man nicht draußen irgendwo finden. Nur wenn die Leute Frieden in sich finden, kann es auch Frieden draußen in der Welt geben.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht noch weitere Eindrücke und Reflexionen einer Ministrantin und eines Ministranten zu diese Wallfahrtswoche in Rom. Ich möchte Ihnen daher den Beitrag der beiden in diesem Heft wärmstens ans Herz legen.

Ihr Marius Grath


Miniwallfahrt nach Rom (vom 29.07. – 04.08.2018)

Der Auftrag an die Minis: „Sucht Frieden“[1]!

Dafür hatten rund 60.000 Ministrantinnen & Ministranten bei ihrer internationalen Begegnung in Rom knapp eine Woche Zeit. Am Sonntagabend stieg die 50-köpfige Delegation aus Esslingen in den Reisebus nach Rom, wo alle auch wohlbehalten nach 17 Stunden ankamen. Trotz – oder vielleicht wegen – der gemeinsamen Fahrt, hätte die Vorfreude auf die Stadt wohl nicht größer sein können. Kaum angekommen, stand schon unser erster Programmpunkt auf der Tagesordnung: der Auftaktgottesdienst in der atemberaubenden Kirche „St. Paul vor den Mauern“. Zusammen mit Weihbischof Renz feierten über 6000 Messdiener/innen aus unserer Diözese Gottesdienst. Für Dienstag war die Audienz mit Papst Franziskus geplant. Das Warten in der Sonne hat sich gelohnt, um ihn zu sehen und ein Abendgebet mit ihm zu erleben. Viel zu schnell fuhr das Papamobil wieder vom Petersplatz, doch jeder von uns hat bei dieser Begegnung auf dem Petersplatz einzigartige Erlebnisse gemacht.

Was lief sonst so in der Woche?

In der Woche verbrachten wir die freie Zeit in Kleingruppen. Petersdom und Kuppel, Vatikanische Museen und Katakomben, Trevi-Brunnen, Pantheon u.v.m. … Wie stark das Durchhaltevermögen von Minis ist, lässt sich an bis zu 4,5 Stunden langer Anstehzeit ablesen. Tapfere Esslinger Minis! Nach einem Abschlussgottesdienst, dieses Mal mit Bischof Gebhard Fürst, war die Wallfahrt offiziell beendet, doch wir waren noch nicht ganz fertig: In der Kapelle der Schweizer Garde feierten wir am Freitag mit Markus Scheifele unsere eigene kleine Eucharistiefeier zum Abschluss. Bei der folgenden Führung durch die Kaserne der Schweizer Garde nutzten wir die Gelegenheit unsere Fragen loszuwerden, denn in diesen Teil des Vatikans werden wir wohl nicht mehr so schnell kommen. Nach einem letzten Eis war es schon Zeit für die Rückfahrt. Dank André und Sergej (=Busfahrer) betraten wir am Samstag gegen 10 Uhr wieder Wernauer Boden. Ganz spontan wurde Markus Scheifele von rund 20 Minis in der Sonntagsmesse in St. Paul unterstützt, und die Überraschung ist uns gelungen!

Was hat Rom mit uns gemacht?

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) war das Motto der diesjährigen Romwallfahrt. Einen Teil dieses Friedens durften wir in diesen fünf Tagen miteinander erfahren. Keine Selbstverständlichkeit, schaut man sich heute in Europa (und der Welt) um, wo erstarkender Nationalismus und Fremdenhass an der Tagesordnung sind. Nun liegt es an uns, den Geist dieser Tage durch unser Handeln wirken zu lassen und nicht zum euphorischen Lippenbekenntnis zu machen. In einer kurzlebigen Zeit darf nicht nur ein Strohfeuer entzündet werden, welches nicht wirklich zu wärmen weiß, sondern muss eine Glut genährt werden, die dieses Denken überwinden kann – Frieden ist nie Sache des Augenblicks! Das haben wir in diesen Tagen verstanden und das kann man auch dem Psalm entnehmen: ist man auf der Suche nach Frieden, so muss man sich aktiv um diesen bemühen, ihm nachjagen und hinterhereilen. Von selbst, ohne eigenes Engagement wird der Frieden nicht über einen kommen – Frieden muss man sich gegenseitig schenken und ist harte Arbeit. Das haben auch wir Minis in diesen Tagen erfahren. So sind am Ende dieser Wallfahrtswoche nach einer kalten(!) Dusche auch 50 müde Friedensjäger zuhause wieder in ihre Betten gefallen.

Was bleibt?

Vor zwei Jahren haben sich die Esslinger Ministranten zum ersten Mal zusammengefunden, um die Wallfahrt zu organisieren. Seitdem ist viel geschehen: Freundschaften entstanden, durch gemeinsame Aktionen (Osterlämmer, Postkarten, Matinee, …) lernten wir uns besser kennen und sind zusammengewachsen. In diesem Sinne hoffen wir, dass die Romwallfahrt nachwirkt!

Am Ende bedanken wir uns nochmals ganz herzlich bei Marius Grath, Esteban Rojas, Alexandra Kohl sowie Markus Scheifele, ohne die diese Reise nicht möglich gewesen wäre.

Sophie Kunz & Lucas Pacholet (für die Esslinger Rom-Minis)

 

[1] Das Motto der diesjährigen Romwallfahrt entstammte aus Ps 34,15: „Suche Frieden und jage ihm nach!“
Bilder: Gruppenbild-M. Grath; weiete Bilder M. Scheifele